Die Abenteuer eines bekennenden Konsaliklesers

Juni 14, 2007

Das Schloß der blauen Vögel

Filed under: Rezensionen — Lanu @ 12:25 am

Eines Sonntagmorgens kommt Gerd Sassner vom Angeln heim und ist ein Anderer. In einem alten Schuh glaubt er seinen Freund Benno Berneck zu erkennen, der allerdings im Krieg mit ihm zusammen verschüttet war und sich das Leben nahm. Was man auch versucht, es gelingt dem anerkannten Spezialisten Professor Dorian nicht, die Heilung auf normalem Wege herbeizuführen. Vor einer Lobotomie aber scheut er zurück – stattdessen vollführt er zum ersten Mal eine Operation, die Sassner heilen soll. Bestimmte Gehirnpartien werden wegoperiert. Zuerst sieht es so aus als hätte Darian Erfolg, doch nach drei Monaten verschwindet Sassner.
Und eine blutige Mordserie beginnt, die die Polizisten in Atem hält. Kann es sein, dass Gerd Sassner der Unbekannte ist, der unter dem Namen „Der große Boss“ mordet? Als schließlich Sassners Frau in die Hände des Mörders gerät wird die Lage scheinbar aussichtslos…

Huh, eine Gehirnoperation. Huh, man macht einen neuen Menschen. Huh, wer jetzt nicht an Frankenstein denkt… Und ja, sowas ähnliches hat Konsalik auch im Sinn: Ein Wissenschaftler, der über Grenzen geht. Obwohl Konsalik zum Schluss Darian noch zum Helden stilisiert ist es fraglich, ob Darian nicht doch eher in die Kategorie des verrückten Wissenschaftlers fällt. Zimperlich mit seinen Forschungsmethoden ist er nämlich keineswegs. Na schön – am Ende ist er ein wenig geläutert. Soweit also doch zum Positiven.
Während Sassner ein halbwegs menschliches Schicksal am Ende des Romans erfährt – der unschuldig Schuldige gewissermaßen – bekommt seine Helferin natürlich das, was sie verdient. Wir sind in einem Konsalik, das weiß man also noch bevor die Gute – natürlich mit feuerroten Haaren, sie muss also schon per se eine Hexe sein während die Gattin blond ist – in die Handlung direkt eingreift.
Anders als in anderen Romanen ist die eigentlich Handlung – die natürlich unglaubwürdig ist und ich glaube zwar, dass der Autor hier gewisse Begriffe nachgeforscht hat aber der Rest ist natürlich frei erfunden was die Wissenschaft anbelangt – seltsam zerfasert. Es ist, als ob sich Konsalik nicht entscheiden könnte zwischen der Schilderung eines besessenen Wissenschaftlers und dem eines ebenso bessenen Irren. Nein, nicht die gleichen Personen, aber fast. Es gibt einen Bruch nach dem ersten Drittel, der gleichsam nur als Prolog für die Kriminalhandlung dient. Danach gibts dann natürlich ein versöhnliches Ende, dass den Leser darin versichert dass die Guten gut, die Bösen böse und alles wieder in Ordnung ist. Täter gefasst, bekommt seine Strafe und alles ist in Ordnung. Doch die Kriminalhandlung hätte auch gut für sich stehen können ohne die moralischen Implikationen die Konsalik durch Darian in den Roman webt. Nein, so ganz stimmig ist der Roman nicht.
Damit ist der Roman knapp oberhalb der „Oh mein Gott“-Kategorie aber kurz nach „Nee, ne?“ eingereiht. Sie sind also gewarnt…

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