Bisher gibt es zwei Romane, die ich durchaus empfehlen kann wenns um Konsalik geht. Beide spielen in Russland. Nun gut, teilweise zumindest der eine, der andere von dem hier die Rede ist ganz und gar. Es scheint als ob Konsaliks Stärken dann zum Vorschein kommen wenn er sich auf die Nachwehen des zweiten Weltkriegs konzentrieren kann.
Ein Blick in die Wikipedia belehrt einen, dass es tatsächlich einen Arzt von Stalingrad gab. Konsaliks Roman fußt somit zu einem Großteil auf Tatsachen – die Hirnorperation mit Bohrer und Meißel hat es also wirklich gegeben und auch einige andere Dinge werden sich wohl so zugetragen haben. Dabei ist das Ganze aber keine Biographie und als solche will Konsalik es auch nicht verstanden wissen – Konsalik geht es um die Menschlichkeit. Ausgetragen wird dieser Konflikt um die Frage, ob am Ende der Mensch nicht doch nur durch Gewalt und Grausamkeit besiegt werden kann zwischen Böhler und dem Wachkommandanten des Lagers – ist es richtig jemanden zu helfen, der einem feind ist? Wo bleibt die Moral in den Zeiten, in denen es einem gutgeht? Diese Frage beantwortet zumindest die Figur des Sellnow ein wenig, der zwischen der russischen Lagerärztin und seiner Frau entscheiden muss und der nicht wählen kann – vielleicht wird er deswegen am Ende gezwungenermaßen nach Deutschland zurückgebracht.
Dieser Roman nimmt nicht eindeutig Stellung für die eine oder andere Seite – er verschweigt die Gräuel nicht, die im Naziregime passiert sind und bringt diese auch zur Sprache, andererseits aber zeigt er auch auf dass das Rußland Stalins – wie wir heute wissen – auch nicht das Arbeiterparadies war als das man es wohl gerne gesehen hätte. Auf beiden Seiten gibt es Gute und Schlechte, gibt es Karrieristin und Humanisten. Natürlich ist das alles etwas poetisch überhöht vielleicht, was das Vorrecht eines Autoren ist – im Grunde aber erinnert der Roman an jemanden, der seine Menschlichkeit nie verloren hat – auch wenn er nahe daran war diese aufzugeben.
Nicht zu Unrecht hat Konsalik mit diesem Roman den Durchbruch geschafft – er ist wirklich gut.
Bewertung: „Hut ab – Konsalik kann tatsächlich gute Romane schreiben wenn er denn will – bester Roman bisher.“