Die Abenteuer eines bekennenden Konsaliklesers

August 24, 2007

Der Arzt von Stalingrad

Gespeichert unter: Rezensionen — Lanu @ 6:38

Bisher gibt es zwei Romane, die ich durchaus empfehlen kann wenns um Konsalik geht. Beide spielen in Russland. Nun gut, teilweise zumindest der eine, der andere von dem hier die Rede ist ganz und gar. Es scheint als ob Konsaliks Stärken dann zum Vorschein kommen wenn er sich auf die Nachwehen des zweiten Weltkriegs konzentrieren kann.
Ein Blick in die Wikipedia belehrt einen, dass es tatsächlich einen Arzt von Stalingrad gab. Konsaliks Roman fußt somit zu einem Großteil auf Tatsachen – die Hirnorperation mit Bohrer und Meißel hat es also wirklich gegeben und auch einige andere Dinge werden sich wohl so zugetragen haben. Dabei ist das Ganze aber keine Biographie und als solche will Konsalik es auch nicht verstanden wissen – Konsalik geht es um die Menschlichkeit. Ausgetragen wird dieser Konflikt um die Frage, ob am Ende der Mensch nicht doch nur durch Gewalt und Grausamkeit besiegt werden kann zwischen Böhler und dem Wachkommandanten des Lagers – ist es richtig jemanden zu helfen, der einem feind ist? Wo bleibt die Moral in den Zeiten, in denen es einem gutgeht? Diese Frage beantwortet zumindest die Figur des Sellnow ein wenig, der zwischen der russischen Lagerärztin und seiner Frau entscheiden muss und der nicht wählen kann – vielleicht wird er deswegen am Ende gezwungenermaßen nach Deutschland zurückgebracht.

Dieser Roman nimmt nicht eindeutig Stellung für die eine oder andere Seite – er verschweigt die Gräuel nicht, die im Naziregime passiert sind und bringt diese auch zur Sprache, andererseits aber zeigt er auch auf dass das Rußland Stalins – wie wir heute wissen – auch nicht das Arbeiterparadies war als das man es wohl gerne gesehen hätte. Auf beiden Seiten gibt es Gute und Schlechte, gibt es Karrieristin und Humanisten. Natürlich ist das alles etwas poetisch überhöht vielleicht, was das Vorrecht eines Autoren ist – im Grunde aber erinnert der Roman an jemanden, der seine Menschlichkeit nie verloren hat – auch wenn er nahe daran war diese aufzugeben.

Nicht zu Unrecht hat Konsalik mit diesem Roman den Durchbruch geschafft – er ist wirklich gut.
Bewertung: „Hut ab – Konsalik kann tatsächlich gute Romane schreiben wenn er denn will – bester Roman bisher.“

August 3, 2007

Verliebte Abenteuer

Gespeichert unter: Rezensionen — Lanu @ 4:06

Gönnen Sie sich diesen heiteren Roman für ihren Urlaub – so in etwa steht es auf der Rückseite zu lesen. Konsalik wäre aber nicht Konsalik wenn zu der heiteren Note nicht noch auf dem letzten Drittel die dramatische See und eine Lungenentzündung hinzukommen würde, man könnte ja meinen dass die bis dahin alles andere als stringente Handlung nicht ausreichen würde…
Fangen wir also damit an, dass das Ganze in Schottland spielt. Der reiche Adlige und Dichter Lord Ashborne ist in die Operndiva Loretta verliebt. Dummerweise sie aber nicht in ihm. Was ist da also zu tun? Nun, zufälligerweise sucht die Operndiva einen Kutscher und einen Gärtner – Paraderollen für Ashborne und seinen Diener Percy, die so der Liebe ihres Lebens näherkommen. Bei Percy ist das übrigens die Tochter des Butlers. Nur: Loretta weiß schon vom ersten Tag an wer der vermeintliche Kutscher Flip ist und so ist das Ganze Versteckspiel eigentlich nicht von Nöten. Doch Loretta amüsiert es zunächst, dann verliebt sie sich in den Lord. Währenddessen allerdings sorgt dessen plötzliches Verschwinden für Unruhe in der adligen Verwandschaft – nicht, dass dieser Flip den Lord am Ende noch auf dem Gewissen hat? Wie das Ganze endet ist natürlich klar, trotz der dramatischen Einlage gegen Schluss heiter und unbesorgt und jeder kriegt was er verdient…

In der Tat ein heiterer, unglaubwürdiger Liebesroman, der seine Intrigen und zahlreichen Verwirrspielchen auf nichts als Luft und gute Laune baut – der Roman an sich könnte ein Gut erreichen, würde sich Konsalik nicht als Kommentator dauernd in die Handlung einmischen. Dieser Ich-Erzähler, der zugleich als allwissender Erzähler fungiert, ist in den ersten Einschüben noch recht amüsant, je mehr er sich aber einschaltet und seine Weisheiten vom Zaum lässt, desto ermüdender und langweiliger wird er. Das Spielen mit Klischees würde dann auf jeden Fall netter sein – Schotten sind im Roman natürlich per se geizig… So erreicht der Roman eine Drei plus und damit ein „Glauwürdigkeit ist natürlich was anderes, aber nett ist er allemale“.

Juni 14, 2007

Das Schloß der blauen Vögel

Gespeichert unter: Rezensionen — Lanu @ 12:25

Eines Sonntagmorgens kommt Gerd Sassner vom Angeln heim und ist ein Anderer. In einem alten Schuh glaubt er seinen Freund Benno Berneck zu erkennen, der allerdings im Krieg mit ihm zusammen verschüttet war und sich das Leben nahm. Was man auch versucht, es gelingt dem anerkannten Spezialisten Professor Dorian nicht, die Heilung auf normalem Wege herbeizuführen. Vor einer Lobotomie aber scheut er zurück – stattdessen vollführt er zum ersten Mal eine Operation, die Sassner heilen soll. Bestimmte Gehirnpartien werden wegoperiert. Zuerst sieht es so aus als hätte Darian Erfolg, doch nach drei Monaten verschwindet Sassner.
Und eine blutige Mordserie beginnt, die die Polizisten in Atem hält. Kann es sein, dass Gerd Sassner der Unbekannte ist, der unter dem Namen „Der große Boss“ mordet? Als schließlich Sassners Frau in die Hände des Mörders gerät wird die Lage scheinbar aussichtslos…

Huh, eine Gehirnoperation. Huh, man macht einen neuen Menschen. Huh, wer jetzt nicht an Frankenstein denkt… Und ja, sowas ähnliches hat Konsalik auch im Sinn: Ein Wissenschaftler, der über Grenzen geht. Obwohl Konsalik zum Schluss Darian noch zum Helden stilisiert ist es fraglich, ob Darian nicht doch eher in die Kategorie des verrückten Wissenschaftlers fällt. Zimperlich mit seinen Forschungsmethoden ist er nämlich keineswegs. Na schön – am Ende ist er ein wenig geläutert. Soweit also doch zum Positiven.
Während Sassner ein halbwegs menschliches Schicksal am Ende des Romans erfährt – der unschuldig Schuldige gewissermaßen – bekommt seine Helferin natürlich das, was sie verdient. Wir sind in einem Konsalik, das weiß man also noch bevor die Gute – natürlich mit feuerroten Haaren, sie muss also schon per se eine Hexe sein während die Gattin blond ist – in die Handlung direkt eingreift.
Anders als in anderen Romanen ist die eigentlich Handlung – die natürlich unglaubwürdig ist und ich glaube zwar, dass der Autor hier gewisse Begriffe nachgeforscht hat aber der Rest ist natürlich frei erfunden was die Wissenschaft anbelangt – seltsam zerfasert. Es ist, als ob sich Konsalik nicht entscheiden könnte zwischen der Schilderung eines besessenen Wissenschaftlers und dem eines ebenso bessenen Irren. Nein, nicht die gleichen Personen, aber fast. Es gibt einen Bruch nach dem ersten Drittel, der gleichsam nur als Prolog für die Kriminalhandlung dient. Danach gibts dann natürlich ein versöhnliches Ende, dass den Leser darin versichert dass die Guten gut, die Bösen böse und alles wieder in Ordnung ist. Täter gefasst, bekommt seine Strafe und alles ist in Ordnung. Doch die Kriminalhandlung hätte auch gut für sich stehen können ohne die moralischen Implikationen die Konsalik durch Darian in den Roman webt. Nein, so ganz stimmig ist der Roman nicht.
Damit ist der Roman knapp oberhalb der „Oh mein Gott“-Kategorie aber kurz nach „Nee, ne?“ eingereiht. Sie sind also gewarnt…

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