Die nächsten Monate muss ich mir wohl kaum Gedanken darüber machen wie ich an meine Konsalik-Lektüre komme – bisher habe ich kein einziges der schätzungsweise über 20 Romane von ihm kaufen müssen, stattdessen kommen die Romane durch Bookcrossing wie von Zauberhand daher. So liegen hier jetzt wieder 7 Hardcover-Bände, die eine Herausforderung darstellen, geschweige denn dass ich alle Taschenbücher, die hier liegen schon gelesen hätte – ab und an muss ich auch was anderes lesen, der gute Heinz muss dann halt damit leben. Behalten werde ich die Bücher ja ohnehin nicht, die hier aufschlagen sondern werde sie schön brav an Interessierte weiterleiten oder in OBCZs legen oder einfach so wild freilassen. Bei aller Liebe – wo soll ich die Exemplare denn auch lagern?
August 24, 2007
Literaturversorgung
Der Arzt von Stalingrad
Bisher gibt es zwei Romane, die ich durchaus empfehlen kann wenns um Konsalik geht. Beide spielen in Russland. Nun gut, teilweise zumindest der eine, der andere von dem hier die Rede ist ganz und gar. Es scheint als ob Konsaliks Stärken dann zum Vorschein kommen wenn er sich auf die Nachwehen des zweiten Weltkriegs konzentrieren kann.
Ein Blick in die Wikipedia belehrt einen, dass es tatsächlich einen Arzt von Stalingrad gab. Konsaliks Roman fußt somit zu einem Großteil auf Tatsachen – die Hirnorperation mit Bohrer und Meißel hat es also wirklich gegeben und auch einige andere Dinge werden sich wohl so zugetragen haben. Dabei ist das Ganze aber keine Biographie und als solche will Konsalik es auch nicht verstanden wissen – Konsalik geht es um die Menschlichkeit. Ausgetragen wird dieser Konflikt um die Frage, ob am Ende der Mensch nicht doch nur durch Gewalt und Grausamkeit besiegt werden kann zwischen Böhler und dem Wachkommandanten des Lagers – ist es richtig jemanden zu helfen, der einem feind ist? Wo bleibt die Moral in den Zeiten, in denen es einem gutgeht? Diese Frage beantwortet zumindest die Figur des Sellnow ein wenig, der zwischen der russischen Lagerärztin und seiner Frau entscheiden muss und der nicht wählen kann – vielleicht wird er deswegen am Ende gezwungenermaßen nach Deutschland zurückgebracht.
Dieser Roman nimmt nicht eindeutig Stellung für die eine oder andere Seite – er verschweigt die Gräuel nicht, die im Naziregime passiert sind und bringt diese auch zur Sprache, andererseits aber zeigt er auch auf dass das Rußland Stalins – wie wir heute wissen – auch nicht das Arbeiterparadies war als das man es wohl gerne gesehen hätte. Auf beiden Seiten gibt es Gute und Schlechte, gibt es Karrieristin und Humanisten. Natürlich ist das alles etwas poetisch überhöht vielleicht, was das Vorrecht eines Autoren ist – im Grunde aber erinnert der Roman an jemanden, der seine Menschlichkeit nie verloren hat – auch wenn er nahe daran war diese aufzugeben.
Nicht zu Unrecht hat Konsalik mit diesem Roman den Durchbruch geschafft – er ist wirklich gut.
Bewertung: „Hut ab – Konsalik kann tatsächlich gute Romane schreiben wenn er denn will – bester Roman bisher.“
August 3, 2007
Verliebte Abenteuer
Gönnen Sie sich diesen heiteren Roman für ihren Urlaub – so in etwa steht es auf der Rückseite zu lesen. Konsalik wäre aber nicht Konsalik wenn zu der heiteren Note nicht noch auf dem letzten Drittel die dramatische See und eine Lungenentzündung hinzukommen würde, man könnte ja meinen dass die bis dahin alles andere als stringente Handlung nicht ausreichen würde…
Fangen wir also damit an, dass das Ganze in Schottland spielt. Der reiche Adlige und Dichter Lord Ashborne ist in die Operndiva Loretta verliebt. Dummerweise sie aber nicht in ihm. Was ist da also zu tun? Nun, zufälligerweise sucht die Operndiva einen Kutscher und einen Gärtner – Paraderollen für Ashborne und seinen Diener Percy, die so der Liebe ihres Lebens näherkommen. Bei Percy ist das übrigens die Tochter des Butlers. Nur: Loretta weiß schon vom ersten Tag an wer der vermeintliche Kutscher Flip ist und so ist das Ganze Versteckspiel eigentlich nicht von Nöten. Doch Loretta amüsiert es zunächst, dann verliebt sie sich in den Lord. Währenddessen allerdings sorgt dessen plötzliches Verschwinden für Unruhe in der adligen Verwandschaft – nicht, dass dieser Flip den Lord am Ende noch auf dem Gewissen hat? Wie das Ganze endet ist natürlich klar, trotz der dramatischen Einlage gegen Schluss heiter und unbesorgt und jeder kriegt was er verdient…
In der Tat ein heiterer, unglaubwürdiger Liebesroman, der seine Intrigen und zahlreichen Verwirrspielchen auf nichts als Luft und gute Laune baut – der Roman an sich könnte ein Gut erreichen, würde sich Konsalik nicht als Kommentator dauernd in die Handlung einmischen. Dieser Ich-Erzähler, der zugleich als allwissender Erzähler fungiert, ist in den ersten Einschüben noch recht amüsant, je mehr er sich aber einschaltet und seine Weisheiten vom Zaum lässt, desto ermüdender und langweiliger wird er. Das Spielen mit Klischees würde dann auf jeden Fall netter sein – Schotten sind im Roman natürlich per se geizig… So erreicht der Roman eine Drei plus und damit ein „Glauwürdigkeit ist natürlich was anderes, aber nett ist er allemale“.